Donnerstag, 17.09.2009 Kaiser-Karls-Trinkhalle im Arminiuspark, Bad Lippspringe
Wenn ein Stern seinen Energievorrat für die Kernfusion verbraucht hat, endet er je nach Anfangsmasse als Weißer Zwerg, Neutronenstern oder Schwarzes Loch. Nach den meist spektakulären Abgängen können diese „Sternleichen“noch Milliarden Jahre lang beobachtet werden und liefern den Astrophysikern hoch interessante Phänomene. Eine der „muntersten Leichen“ sind Radiopulsare, die bis zu über 700-mal in der Sekunde in ihrem „Grab“ rotieren.
Als Referent zu Gast war Prof. Dr. Hanns Ruder
Vita:
Prof . Dr. Hanns Ruder geb. 03.11.39, Diplom 1964, Promotion 1967, Habilitation 1972 Universität Erlangen-Nürnberg. 1972 - 1978 wiss. Rat und 1978 - 1983 Professor für Theoretische Physik, Universität Erlangen-Nürnberg, ab 1983 Professor für Theoretische Astrophysik, Universität Tübingen, 1993 - 1996 Vorsitzender des Vorstands der Astronomischen Gesellschaft, 1994 - 2006 Sprecher des Sonderforschungsbereichs 382 „Verfahren und Algorithmen zur Simulation physikalischer Prozesse auf Höchstleistungsrechnern“, 2002 Robert-Wichard-Pohl-Preis, 2006 Medaille für Naturwissenschaftliche Publizistik von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft
Als ausgewiesener Theoretiker und Praktiker wusste Prof. Ruder sein Publikum zu beeindrucken. Seine allgemein verständliche, überzeugende Rhetorik wurde unterstützt durch eine faszinierende Auswahl von auch eigenen brillanten Himmelsaufnahmen.
Besonders gelungen waren mehrfach Vergleiche der Energieverhältnisse bei den verschiedenen Stadien der Sternentwicklung - sogar mit unseren globalen Bedürfnissen. Verblüffend, wie viele Informationen sich aus der Beobachtung und Analyse der "putzmunteren Sternleichen" ableiten lassen.
Die Planetariumsgesellschaft OWL eV. begrüßt Herrn Prof. Dr. Hanns Ruder herzlich als neuestes Mitglied.
Seit 1963 kennt man die Quasare, die am Himmel wie Sterne aussehen. Sie sind gewaltige Energiequellen, die mit ihrer Strahlungsleistung das Licht der aus vielen Milliarden Sternen bestehenden Sternsysteme, der Galaxien, uebertreffen. Sie stehen oft in so großen Entfernungen, daß das Licht von ihnen viele Milliarden von Jahren zu uns unterwegs ist. Es wurde also ausgesandt als der Kosmos noch jung war. Mit der Verbesserung der Beobachtungsmethoden wurde immer deutlicher, dass die Quasare extrem helle Kerne von sonst recht normalen Galaxien sind, deren Sternlicht sie überstrahlen. Sie sind Schwarze Loecher, in die Materie einstroemt, die kurz vor dem Verschwinden einen Teil ihrer Energie in den Raum strahlt. Wahrscheinlich harrt in fast jeder Galaxie im Zentrum ein Schwarzes Loch darauf, dass es mit Materie gefuettert wird, um dann als Quasar aufzuleuchten.
Prof. Dr. Rudolf Kippenhahn erläuterte dem wissbegierigen Publikum die Geschichte der Entdeckung und die Lösung der Geheimnisse der Quasare. Anschließend stand er für zahlreiche Fragen rund um Quasare und Astronomie den Zuhörern zur Verfügung.
Bad Lippspringe/OWL. Die Planetariumsgesellschaft OWL e.V. lud ein zum 5. Planetarischen Abend am 04. November 2005 in Bad Lippspringe.
Referent war der zweite Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Dr. Karl-Heinz ANTHONY, mit dem Thema:
"Zum Einstein-Jahr: Relativitätstheorie einmal anders. - Hinführung zur begrifflichen Fassung einiger kosmischer Phänomene in der Relativitätstheorie"
Einsteins Relativitätstheorien, die im Jahre 1905 veröffentlichte Spezielle Relativitätstheorie und die Allgemeine Relativitätstheorie aus dem Jahre 1916 werden in der breiten Öffentlichkeit als geheimnisvoll und oft auch verwirrend empfunden. Das liegt letztlich an den "unanschaulichen" Begriffsbildungen dieser Theorien. Diese übersteigen nämlich die gewohnte Anschauung des täglichen Lebens genauso wie das auf unseren natürlichen Sinnesleistungen gründende klassische Denken.
Von der öffentlichen Meinung wird auch übersehen und oft nicht akzeptiert, dass sich die Physik der Mathematik als der ihr angemessenen Sprache bedient. Nun sind aber Mathematik und Physik Schöpfungen des menschlichen Geistes, die nicht "vom Himmel gefallen sind", sondern die im Prinzip von jedermann nachvollzogen werden könnten, wenn man sich nur auf die erforderliche Mathematik einließe. Insofern sind auch die Spezielle und die Allgemeine Relativitätstheorie weder geheimnisvoll noch verwirrend. Leider ist aber an Wagners Worten aus Goethes Faust auch etwas Wahres dran: "Wie schwer sind nicht die Mittel zu erwerben, durch die man zu den Quellen steigt."
Prof. Dr. Anthony stellte einige Phänomene aus der Kosmologie vor, die über das klassische Weltbild des 19. Jahrhunderts hinausreichen und die Anlass für das von Albert Einstein erfundene allgemein-relativistische Weltbild des 20. Jahrhunderts gaben. Ohne Benutzung von mathematischen Formeln wurden grundlegende Gedankengänge und Begriffe der vierdimensionalen Allgemeinen Relativitätstheorie erläutert. Der Redner bediente sich dazu in Wort und Bild dreidimensionaler, anschaulicher Beispiele aus anderen Bereichen der Physik, die den Begriffen der Allgemeinen Relativitätstheorie eine leicht zugängliche "analoge Anschaulichkeit" verliehen. Vom Zuhörer wurden keine tieferen mathematischen Vorkenntnisse erwartet, wohl aber die Bereitschaft, überkommene klassische Ansichten kritisch zu hinterfragen und diese auch zu verlassen.
Mit dem "Vierten Planetarischen Abend" lud am Mittwoch, dem 15. September 2004 die Planetariumsgesellschaft ins Lippe-Institut, in Bad Lippspringe ein.
Professor Horst Rauchfuss aus Varberg, Schweden, war der Gastreferent zu dem Thema, das latent jede astronomische Forschung antreibt:
Leben stellt ein komplexes Phänomen dar, das noch nicht in einer Form definiert werden konnte, der alle Fachleute zustimmen. Dagegen dürfte die Definition des Begriffes Kosmos leichter fallen.
"Über die Grundeigenschaften des Lebens, das heißt die wesentlichen Charakteristika", so Prof. Rauchfuss, "besteht aber Übereinstimmung unter den Biologen. - Wir suchen im All das Leben in einfachster Form."
Wie komplex "einfaches Leben" ist, soll am Beispiel der E.coli-Bakterienzelle dargestellt werden. Sie gilt als das am besten untersuchte Lebewesen. Das Bakterium ist ein harmloser Keim in der Darmflora von Warmblütlern. Etwa 1 Mikrometer groß, begeißelt, enthält es ein Ringchromosom von etwa 1,4 mm Länge.
Die Suche nach Leben im Sonnensystem wird an den Beispielen Mars, dem Jupitermond Europa und dem Saturnmond Titan mit einigen Fakten und durch auftretende Probleme solcher Unternehmungen verdeutlicht. Theorien, Hypothesen und Experimente zur Frage der möglichen Entstehung von Leben auf unserer Erde werden ebenso erörtert wie die Synthese von Biomolekülen oder die Anlieferung von Materialien durch Meteoriten und Kometen auf die Urerde. Das Problem der ältesten Lebensspuren auf unserem Planeten interessiert besonders im Zusammenhang mit neuen, aktuellen Fragen der "Panspermie". Nach der Panspermie-Hypothese können Lebenskeime von Gestirn zu Gestirn übertragen werden. Sie sollen durch den Lichtdruck von Sternen die nötige "Reise"-Geschwindigkeit erlangen. Auch in diesem Zusammenhang wirft Prof. Rauchfuss die Frage auf: Gibt es "bewohnbare Zonen" im Sonnensystem und in der Weite der Milchstraße?
Wie üblich, ging zu Beginn des "Planetarischen Abends" Reinhard Wiechoczek, erster Vorsitzender der Planetariumsgesellschaft, auf den aktuellen Entwicklungsstand des Planetariumsprojekts ein und stellt neue Werbeoptionen vor.
Professor Horst Rauchfuss:
Jahrgang 1927, Chemiestudium an der J.W.v.Goethe-Universität, Frankfurt/M, Promotion in Biochemie, Assistent am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt/M. 1971 Berufung an die Pädagogische Hochschule/Universität Dortmund, Fachbereich Chemie, Lehrstuhl Chemie und ihre Didaktik. 1992 Emeritierung, 1994 Umzug nach Schweden.
Im kosmischen Vergleich nur ein durchschnittlich bescheidener Stern, bedeutet die Sonne für unser Planetensystem das gigantische Energie- und Gravitationszentrum, dem alles Werden und Vergehen unterliegt. 1,4 Mio. Kilometer Durchmesser stellen eine solche Materiekonzentration dar, dass alle Planeten zusammen nur etwa 1/740 der Sonnenmasse aufbringen. Die Strahlungsenergie in sämtlichen Spektralbereichen wird im Sonneninnern durch Atomkernfusionen bei einer Temperatur von etwa 13 Mio. Grad verursacht: Wasserstoffkerne verschmelzen zu Heliumkernen. Und dieser Energievorrat reicht noch für viele Milliarden Jahre, denn mit etwa 4,5 Milliarden Jahren befindet sich unsere Sonne erst in ihrer Lebensmitte. Von der 6.000 Grad heißen Oberfläche verlässt extrem lebensfeindliche Strahlung unser Zentralgestirn, doch bildete sich gerade unter diesen Bedingungen in der sogenannten Ökosphäre, im Ideal-Abstand Sonne-Erde von 150 Mio. Kilometern, unser Planet mit seiner schützenden Atmosphäre aus, so dass die Energie nicht nur Entwicklungen in der toten Planetenmaterie hervorrief, sondern zur Entstehung und Evolution der Lebensvielfalt führte.
Die Menschheit bildet eine kleine Episode in diesem Prozess. Dies wird immer deutlicher, je mehr wir hinter die Geheimnisse des Kosmos schauen. Während alle Nachbarsterne mehr als 4 Lichtjahre tief im All angesiedelt sind, bietet uns die Sonne in nur acht Lichtminuten Entfernung beste Erforschungsmöglichkeiten. Wir kennen ganz gut den inneren Aufbau, die Granulation als brodelnde Oberflächenstruktur, die dunkleren, zyklusabhängigen Sonnenflecken, die über den Sonnenrand hinausschießenden Protuberanzen, die Sonnenkorona als solare Hochatmosphäre.
Besonders populär ist die Frage nach solarterrestrischen Beziehungen, nach den direkten Auswirkungen der Sonnenaktivität auf erdgebundene Vorgänge, angefangen von der Steuerung der Luftbewegungen, der Regulierung des Wasserhaushalts, des Pflanzen- und Tierwachstums bis hin zur Beeinflussung der menschlichen Psyche, zur Prägung von Kulturen sogar.
Wurde die Sonne früher als Gott verehrt und gefürchtet, ist der aufgeklärte Blick zum Zentralgestirn nicht frei von staunender Demut. Nicht zuletzt ist unser Zeitmaß an die scheinbare Sonnenbewegung gekoppelt, denn Zeit ist nichts anderes als Bewegungsablauf. Nirgends im Universum gibt es Stillstand, und so besitzt auch die Sonne neben dem Jahreslauf ihre eigene, pekuliare Bewegung innerhalb unserer Milchstraße.
Am Donnerstag, dem 9.10.2003 fand im Kongresshaus in Bad Lippspringe der zweite Planetarische Abend statt. Der Gastreferent, Herr Prof. Dr. rer.nat. Johannes Viktor Feitzinger, Direktor der Sternwarte und des Planetariums Bochum, beeindruckte die Zuhörer mit seinem Vortrag "Neue Planetensysteme".
Die jüngst entdeckten Planeten, die um einige "voll ausgereifte" Sterne kreisen, beleben die Frage neu, wie verbreitet andere Planetensysteme wirklich sind. Zwar liegt deren vollständige Durchmusterung noch in weiter Ferne, aber Beobachtungen sehr junger Sterne bieten bereits heute die Möglichkeit, Antworten auf diese Fragen zu finden. Sie deuten darauf hin, dass eine merkliche Anzahl solcher Sterne Bedingungen aufweisen, die für die Bildung von Planetensystemen wie das unsrige geeignet sind.
Das Thema ist ein Kapitel aus dem Buch des Referenten "Kosmische Horizonte", welches mit Signatur des Autors am astronomischen Bücherstand der Buchhandlung Waltemode zu erwerben war.
Prof. Feitzinger überzeugte vor allem auch durch seine planetariumsspezifische Kompetenz. Er unterstrich die kulturelle Bedeutung von Planetarien für ihre jeweiligen Standorte und hob den emotionalen Charakter der naturwissenschaftlichen Bildung heraus, wie er eben ganz typisch im Planetarium gegeben ist. "Hier werden Weltbilder vermittelt" führte er aus und zeigte auf, wie in der Geschichte der Menschheitsentwicklung immer wieder der Blick an den astronomischen Himmel die Philosophen beschäftigte und das jeweilige Weltbild der Generationen prägte.
Obwohl es in Ostwestfalen-Lippe noch kein Planetarium gibt, luden die Planetariumsgesellschaft OWL e.V. und die Stadt Bad Lippspringe als künftiger Standort des OWL-Planetariums zum Ersten Planetarischen Abend am 6. Juni 2003 ins Kongresshaus ein.
Zunächst stellte Reinhard Wiechoczek, Vorstandsvorsitzender der Planetariumsgesellschaft,
das Konzept des Projekts vor, bevor der prominente Gastreferent, Prof. Dr. Erich Übelacker, Hamburg, in seinem Vortrag irdische Dimensionen überwandt:
"Blick ins Weltall - Planeten, Sterne und Galaxien"
Satelliten, Raumsonden und Riesenteleskope haben uns in den letzten Jahrzehnten Planeten, Monde und Kometen zum Greifen nahe gebracht. Menschen sind auf dem Mond gelandet, Radaraugen blicken durch die dichten Wolken der Venus, auf Mars kennen wir jeden Gegenstand, der größer als 5 Meter ist.
Röntgensatelliten, das Weltraumteleskop, aber auch eine neue Generation erdgebundener Fernrohre, beobachten neu entstehende Sonnensysteme, exotische Sternreste wie Neutronensterne und Schwarze Löcher und Milliarden von Galaxien. Auch über das Alter, die Entstehung und die Struktur des Alls haben wir viel gelernt. Immer wieder erleben wir dabei große Überraschungen, die zum radikalen Umdenken zwingen. So besteht das All zu über 90 Prozent aus einer exotischen Dunkelmaterie und dehnt sich beschleunigt aus, Planetensysteme ferner Sonnen scheinen häufig vorzukommen. Organische Verbindungen, Grundbausteine des Lebens sind überall reichlich zu finden. Viele Fragen sind aber noch offen: Gibt es außerirdisches Leben? Ist das All endlich oder unendlich groß? Ist der so genannte Urknall einmalig gewesen oder gibt es Paralleluniversen?
In seinem Dia-Vortrag mit neuesten Bildern moderner Teleskope und Raumsonden vermittelte der Referent eine erste Einführung in die Astronomie des beginnenden 3. Jahrtausends und ließ durch seine unverkennbare Vortragsart Begeisterung für das Planetariumsprojekt bei den aufmerksamen Zuhörern aufkommen.
Der Planetarische Abend endete
mit einem Grußwort des Bürgermeisters Willi Schmidt
und einem Sektempfang der Stadt Bad Lippspringe.